Atomare Abrüstung? Ja, aber …

Die Organisation Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) warnt vor einer gefährlichen Trendwende. Die Anzahl atomarer Sprengköpfe habe zwar abgenommen. Die verbleibenden Bestände jedoch würden modernisiert und damit keineswegs an Zerstörungskraft verlieren. Im Gegenteil …

Atomare-Abrüstung-Unternehmensblatt

Klasse vor Masse

Eine beunruhigende Tendenz will das europäische Friedensforschungsinstitut Sipri im Umgang beziehungsweise Abbau atomarer Waffen beobachtet haben. Denn dem Jahresbericht der Stockholmer zufolge gehe die Anzahl an Kernwaffen zurück. Allerdings: Derzeit (Stand Juni 2021) seien mehr atomare Sprengköpfe einsatzbereit als noch vor einem Jahr! Dies könnte an einem nachlassenden Engagement von Staaten in diesem Bereich liegen. Auch ein nachlassendes Interesse am Thema Atomare Abrüstung könnte die Ursache für diese Entwicklung sein. In Pandemiezeiten samt Ausgangssperre und Social-Distancing spielt offensichtlich die rein theoretische Möglichkeit, einen nuklearer Untergang erleben zu müssen, kaum eine Rolle.

Konkrete Zahlen lieferte das Forschungsinstitut ebenfalls: Zusammen mit den USA kämen Länder wie Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea Anfang 2021 auf ein Gesamt-Arsenal von 13.080 atomare Sprengköpfe. In der Summe mache dies einen Rückgang von 320 Waffen im Vergleich zum Vorjahr. Verglichen mit der „heißen Phase“ des Kalten Krieges ist gar ein Rückgang von 20 Prozent festzustellen.

Der Blick trügt

Doch wie so häufig steckt der Teufel im Detail. Für Sipri ist die Anzahl der einsatzbereiten Sprengköpfe, die rund um die Uhr in Gefechtsposition stehen, alarmierend. Denn die nahm im letzten Jahr mit einem Plus von über 100 Waffen auf insgesamt 3.825 deutlich zu. Außerdem stiegen die Ausgaben für Modernisierungen kräftig: Knapp zusätzliche 1,5 Milliarden gaben Länder wie Russland und die USA im Bereich der Nukleartechnik aus.

Und: Die kleinsten Atommächte offenbaren laut Sipri ein großes Engagement, mit ihren „Vorbildern“ aufzuschließen. Insbesondere die Bestrebungen Chinas könnten alsbald zu einem Risikofaktor heranwachsen. Die klare Forderung des amerikanischen Präsidenten Biden auf dem G7 Gipfel vor wenigen Tagen macht deutlich, dass die Militärmacht aus Fernost zunehmend die Politik-Debatten beherrschen dürfte.

Quelle: Sueddeutsche.de

Autor: Jan Lauer

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