Aus und vorbei? Kasachstan-Krise setzt Bitcoin unter Druck

Schlechte Nachrichten für Kryptowährungen! Mit der Eskalation in Kasachstan stürzen etliche Kryptos in den Keller, allem voran der Bitcoin. Bereits seit Wochen befindet sich das „Digitale Gold“ im Abwärtstrend. Steht uns nun der nächste Krypto-Crash bevor?

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Hochgelobter Alleskönner

Kryptowährungen werden nicht selten als Inflationsschutz angepriesen. Verfechter der neuen „Währungen“ sind sich sicher: Bitcoin & Co. werden sich, losgelöst von sämtlichen Finanzmärkten und wirtschaftlichen Entwicklungen, in jeder Krise als nachhaltiger Wertspeicher behaupten können. Tatsächlich jedoch besteht eine starke Korrelation zwischen Kryptos und „klassischen“ Sachwerten. Im Corona-Crash beispielsweise stürzten nicht nur die Kurse von Aktien und Anleihen in den Keller: Auch beziehungsweise insbesondere Kryptowährungen traf die Pandemie hart. Manch ein Coin/Token verlor mehr als die Hälfte an Wert!

Wir berichteten bereits ausführlich über das Zusammenspiel zwischen dem Bitcoin Kurs und einer soliden Weltwirtschaft. Mit dem Ausbruch der Unruhen in Kasachstan zeigt sich nun einmal mehr, dass Kryptowährungen nicht nur auf Arbeitsmarktdaten, Zinskurven Staatsanleihenrenditen reagieren. Innerhalb einer Woche büßte allein der Bitcoin rund 20 Prozent ein. Doch warum hat ausgerechnet die Krise in Kasachstan solch gravierende Auswirkungen auf Krypto-Assets?

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Die Lage im eurasischen Kasachstan spitzt sich zu. Seit einer Woche bereits demonstrieren weite Teile der Bevölkerung. Im Fokus der Proteste: steigende Energiepreise und Treibstoffknappheit. Die Regierung setzt nun Militär ein, um die Kontrolle zurückzuerlangen.

Kasachstan: unterschätzter Zwerg im Krypto-Universum

Es bedarf kein Studium in Politikwissenschaften um zu wissen, dass „irgendwo immer Krise ist.“ Streitereien im Bundestag oder Konfrontationen an der Ukrainischen Grenze mögen noch die Aufmerksamkeit der meisten Deutschen wecken, doch spätestens bei Entwicklungen in „kleinen“ und „unbedeutenden“ Ländern endet dann das Interesse. Teils verständlich, denn die Krisenherde auf der Welt sind nicht nur zahlreich, sondern auch häufig von Perspektivlosigkeit geprägt. Im Falle Kasachstans handelt es sich jedoch keineswegs um ein „kleines“ Land: Kasachstan gilt als ein Schnittpunkt der Weltmächte China und Russland und ist mit einer Fläche von 2.725.000 km² knapp zehnmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland.

Wirtschaftlich betrachtet hingegen hinkt Kasachstan den meisten Ländern dieser Welt hinterher und muss sich gemessen an Kriterien wie Bruttosozialprodukt oder der Geldwertstabilität sogar vielen Schwellenländern geschlagen geben. Jedoch: Kasachstan hat sich zu einem bedeutsamen Markt für Miner entwickelt. Bei dem sogenannten Mining (zu deutsch „Schürfen“) werden Kryptowährungen gewonnen, indem hochleistungsstarke Rechner ellenlange mathematische Formeln berechnen und in eine millionenfach kopierte Datenkette (Blockchain) einfügen. Eine lange Zeit galt China als eine DIE aufstrebende Mining-Nation, da in dem fernöstlichen Land niedrige Strompreise das Minen besonders profitabel gestalteten. Nach dem Verbot der Kommunistischen Partei (KP), welches das Minen von Kryptos in ganz China unter Strafe stellt, mussten sich viele Miner einen neuen Standort suchen. Das Nachbarland Kasachstan erachteten viele Unternehmen als die denkbar beste und wortwörtlich naheliegendste Alternative. Schätzungen der Universität Cambridge zufolge, findet nun ein Fünftel der weltweiten Mining-Aktivität in kasachischen Mining Farmen statt.

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Nach dem Krypto-Verbot in China zogen viele Miner um. Seit einem Jahr werden nun in riesigen Hallen wie in dieser allerlei Kryptowährungen gewonnen. Die Stromkosten für die Mega-Computer sind zwar enorm, liegen in Staaten wie China oder Kasachstan jedoch weit unter europäischen Verhältnissen.

Fehlende Rechenkapazität setzt Krypto-Gemeinde zu

Was haben nun fleißige „Schürfer“ in Kasachstan mit dem Bitcoin Kurs zu tun? Und warum befinden sich Kryptowährungen aufgrund von unübersichtlichen Straßenschlachten in Fernost im freien Fall? Zwei Fragen, eine Antwort: Die kasachische Regierung kappte vergangene Woche das Internet. Der Grund liegt auf der Hand. Die Systemkritiker und Protestler sollen in ihrer Kommunikation und Organisation gestört werden. Vermutlich will man auch die internationale Berichterstattung erschweren, schließlich sorgen Bilder von blutüberströmten Demonstranten nie für gute Publicity. Für das vom Tourismus abhängige Kasachstan ein besonders schwerer Image-Schaden!

Für die Kurse von Bitcoin & Co. hat somit weniger die Gewalt, sondern vielmehr der Entschluss der Regierung zum „Digitalen Lockdown“ Auswirkungen. Denn nicht nur Millionen von Menschen, die sich zu Demonstrationen verabreden oder unabhängige Nachrichtenportale nutzen wollen, sind nun vom World Wide Web abgeschnitten. Die zahlreichen neu angesiedelten Miner können de facto keine Leistung erbringen, da die Netzwerke von Kryptowährungen auf eine aktive Internetverbindung angewiesen sind. Messungen ergaben, dass mit dem Internet-Aus am 6. Januar die sogenannte Hashrate für Kryptos weltweit um 14 Prozent einbrach.

Quo vadis Bitcoin?

Bedeutet der jüngste Rückschlag nun das Aus für den Bitcoin und seinen zahlreichen Ablegern? Klar ist, dass beim Investieren in Kryptos seit jeher mit einer hohen Volatilität gerechnet werden muss. Denn die Währungen können zu minimalen Kosten rund um die Uhr gehandelt werden, ganz einfach per Handy oder über automatische Handelssysteme. Machen nun schlechte Nachrichten wie solche aus Kasachstan die Runde, drücken viele Marktteilnehmer (Trader) schnell beziehungsweise automatisch auf den Sell-Button.

Jedoch: Der Großteil der Trader wendet sich nach dem Verkauf seiner Kryptowährungen keineswegs vom Blockchain-Markt ab! Sobald sich die Kurse stabilisiert haben, wagen viele Trader den Wiedereinstieg. In Folge der ansteigenden Kauf-Orders schnellen die Kurse in den Himmel und es entsteht ein Run auf Kryptowährungen.

Zinsen bleiben Risikofaktor Nummer eins

Ob sich die Kryptowährungen von den jüngsten Rückschlägen nachhaltig erholen können, steht allerdings in den Sternen. Selbst anlegerfreundliche Portale, die neben Aktien auch Kryptowährungen positiv gegenüberstehen, warnten zuletzt vor einem zu engagierten Investment. Doch der Gegenwind droht aus einer anderen Richtung: Insbesondere die in Aussicht gestellten Zinsanhebungen machen aktuell vielen Kryptos zu schaffen. Selbiges gilt für die diversen Wachstumsaktien, die seit ihren Hochs Mitte 2021 bis zu 80 Prozent an Wert verloren haben. Sollten sich die Hinweise verdichten, dass die amerikanische Notenbank (FED) zwecks Inflationsbekämpfung im laufenden Jahr tatsächlich vier Zinsanhebungen durchführt, dürften Kryptos erneut Federn lassen. Die Entwicklungen in Kasachstan hingegen sollten nach dem jüngsten Rücksetzer größtenteils in den Kursen eingepreist sein. Ein ähnliches Muster war nach dem Krypto-Aus in China zu beobachten. Kurzfristig sollten Anleger die Unterstützungszone bei 40.000 US-Dollar im Auge behalten. Rutscht die „Muter aller Kryptowährungen“ unter ebendiese Marke, drohen weitere Abverkäufe.

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Neben spekulativen Aktien reagiert auch der Bitcoin empfindlich auf Zinsen. Es bleibt spannend, ob und wie sich die weltweite Geldpolitik verändert. Insbesondere die FED steht im Fokus vieler Investoren. Seit einigen Tagen denkt man in Washington nicht über zwei oder drei, sondern über vier Zinsanhebungen für 2022 nach.

 

Autor: Jan Lauer

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