Bund möchte unabhängiger von China sein

Beschränkte Erden

Handelsexperten und auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sind der Meinung, es sei ein Risiko, dass sich die deutsche Wirtschaft beim Import seltener Erden zu stark von China abhängig gemacht habe. Die Regierung will daher den Spielraum bei den Zulieferern erweitern.

Seltene Erden

Frank-Walter Steinmeier hat vor wenigen Wochen in Hamburg eine Rede gehalten, in der er mahnte, dass weder China noch irgendein anderes Land langfristig der einzige Partner sein dürfe. Ob Energie, Rohstoffe oder Zwischenprodukte, es solle nicht nur ein Land geben, mit dem der Bund handle. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir von keinem Land der Welt erpresst werden können. Deshalb müssen wir jetzt neue Partner finden und unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen neu justieren.“
Im Blick gehabt haben dürfte der Bundespräsident hierbei auch 17 spezielle Metalle, etwa Lanthan, Yttrium oder Scandium. Die als „seltene Erden“ bezeichneten Stoffe werden beispielsweise für die Herstellung von Elektromotoren, LED-Lampen, Smartphones oder von Magneten für Turbinen von Windkraftanlagen benötigt.

China mit Monopolstellung

Die Leiterin des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft in München, Lisandra Flach, hat kürzlich erst untersucht, wie abhängig wichtige Technologien in Deutschland von importierten Materialien sind: „Seltene Erden sind als Rohstoffe mit kritischen Abhängigkeiten eingestuft, weil eine hohe Marktkonzentration hinsichtlich der Anzahl der Zulieferer herrscht. China verfügt über die größten Reserven weltweit und ist auch der wichtigste Exporteur weltweit. Und aktuell ist die deutsche Wirtschaft von Importen aus China stark angewiesen.“

Vor allem groß sei die Abhängigkeit in der Robotik, Batterietechnik und bei den erneuerbaren Energien. Nur von zwei der fünf größten Exporteure der Welt beziehe die deutsche Wirtschaft seltene Erden.

Breitere Aufstellung notwendig

Flach hält es für sinnvoll, dass man sich hier breiter aufstellt, stärker verteilt, denn: „Ein geringer Diversifizierungsgrad ist hinsichtlich der Zulieferer ist mit einem höheren Risiko von Lieferausfällen verbunden. Und das ist der Fall bei seltenen Erden.“
Dazu kommt die Abhängigkeit beim Preis. Dem Bundeswirtschaftsministerium ist die Problematik schon länger bekannt: „Es gibt eine Rohstoffstrategie, in der das adressiert wird. Auch bei der EU-Kommission ist das längst ein Thema. Aber die Diversifizierung von Lieferquellen ist in der jetzigen Situation und unter dem Eindruck der Energiepolitik noch mal in den besonderen Fokus gerückt.“
Die Bundesregierung versucht mit einem Maßnahmenpaket wegweisend einzugreifen, da sie den Unternehmen nicht vorschreiben kann, welche Rohstoffe sie von wem beziehen können: „Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel, Handelshemmnisse zu verringern.“ Durch fallende Zollschranken etwa bekämen auch andere Lieferanten eine ernstzunehmende Chance. „Dann gibt es verschiedene Außenhandelsinstrumente, Förderinstrumente – zum Beispiel Investitionsgarantien.“
Eine gute Möglichkeit, Invertsoren bei der Erschließung von Rohstoffen im Ausland unter die Arme zu greifen. Außerdem gelte es, die wirtschaftlichen Beziehungen deutlicher zu umgrenzen.
Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums äußerte sich sehr diplomatisch: „Diese Bemühungen der Diversifizierung sind nicht gegen China gerichtet.“ Hauptsächlich gehe es um die politische Bemühung, sich breiter bei Lieferquellen aufzustellen.

Autorin: Sophie Pixis

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