Dank DAK ausgekuppelt

Kupplungssystem auf digitalem Weg

Beim Güterverkehr soll jetzt auch kommen was im Personenverkehr schon lange funktioniert: vollautomatisch gekuppelte Züge. In Berlin startete heute eine Testfahrt.

freight-train-passes-by-station

Europa ist bei der Digitalisierung des Güterverkehrs heute ein Stück weiter gekommen. Am Berliner Flughafen hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) einen neuartigen Güterzug auf die Reise geschickt, der komplett mit der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) ausgerüstet ist. Das bedeutet im Klartext, dass seine Waggons automatisch gekuppelt werden können. Bei der Frage, wie die Klimaziele im Verkehrssektor eingehalten und der Güterverkehr auf der Schiene schneller, effizienter und vor allem günstiger abgewickelt werden können, gilt das System als Hoffnungsträger.

„Tatsächlich ist es Europa als einzigem Kontinent nicht gelungen, im Laufe der letzten Jahrzehnte eine automatische Kupplung einzuführen“, schilderte Wissing bei der Verabschiedung des Zuges. Doch das werde sich jetzt ändern: Das neue Kupplungssystem soll bis zum Jahr 2030 für Güterzüge europaweit eingeführt werden – so soll der Transport auf der Schiene leistungsfähiger gemacht werden. Momentan liegt der Marktanteil der Bahn hier bei noch unter 20 Prozent.

Das Milliardenprojekt wird schon lange Zeit getestet

Auf Teststrecken und Rangierbahnhöfen waren in den vergangenen Jahren zunächst verschiedene Kupplungstypen ausprobiert worden. Aber nun geht das Projekt in die nächste Phase. Es soll bis Ende dieses Jahres endgültig abgeschlossen sein. „Wir könnten schon in den Jahren 2023 oder 2024 mit der Einführung beginnen“, sagte das Digital-Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, Daniela Gerd tom Markotten, an. Demnach könnten schon bis 2030 sämtliche knapp 500 000 Güterwaggons in Europa entsprechend umgerüstet sein.

Aus Sicht der Bahn ist Voraussetzung, dass die Europäische Union bis dahin die notwendigen finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen schafft. Der Umbau der europäischen Wagenflotte könnte bis zu 8,6 Milliarden Euro könnte kosten. „Das können die Unternehmen nicht alleine stemmen“, verdeutlichte Gerd tom Markotten. Die Umrüstung aller Güterwaggons soll allein in Deutschland rund anderthalb Milliarden Euro kosten.

Jörg Wojahn, der EU-Kommissionsvertreter in Berlin, gab sich recht zuversichtlich, dass die EU im Laufe des Jahres die technischen und finanziellen Grundlagen für diesen Zweck schafft. Jedoch sieht er bei der Finanzfrage auch die Einzelstaaten sowie die Industrie in der Pflicht; es sei allerdings eine Investition, die sich am Ende bestimmt rechnen werde.

Kuppeln ist zurzeit noch richtige Schwerstarbeit

Automatische Kupplungen gibt es im Personenverkehr schon lange. Regionalzüge oder ICE können sich auf Knopfdruck miteinander verbinden. Bloß die Güterwaggons der Deutschen Bahn werden noch gekuppelt wie vor 100 Jahren: Mehrere Rangierarbeiter müssen zwischen die Puffer klettern, hiernach eine schwere Stahlöse in einen Haken wuchten, dann einen Gewindebolzen festziehen und schlussendlich noch die Druckluftleitungen der Zugbremse verbinden; dies passiert geschätzte 70.000 Mal am Tag.

Die Automatischen Kupplungen sollen diese Schwerarbeit in Zukunft erstens schneller und zweitens digital gesteuert übernehmen. Der Testzug der Deutschen Bahn in der Schweiz und in Österreich soll belegen, dass die neuartige Technik auch auf starken Steigungen sicher funktioniert.

Quelle: www.tagesschau.de

Autorin: Sophie Pixis

Menü