Deutsche Exporte kommen in Fahrt

Seit Juli 2020 größtes plus erreicht

Der deutsche Außenhandel zieht trotz der Materialengpässe und der gestörten Lieferketten wieder an. Im Oktober schossen die Ausfuhren so stark nach oben wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr.

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Es gab im Oktober einen starken Anstieg der deutschen Exporte. Die Werte stiegen gegenüber dem Monat September saison- und kalenderbereinigt um 4,1 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt ankündigte. Das ist das höchste Plus seit Juli 2020. Der Anstieg fällt plötzlich stark aus. Zuvor waren die Ausfuhren zwei Monate in Folge um jeweils etwa ein Prozent eingefallen.

Importe wachsen genauso

Im Oktober verkauften die deutschen Unternehmen insgesamt Waren im Wert von 121,3 Milliarden Euro ins Ausland. Das ist eine Zunahme von 8,1 Prozent im Vergleich zu Oktober. Das Auslandsgeschäft mit den EU-Ländern legte um 11,6 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro zu. Dabei wuchsen die Ausfuhren zum wichtigsten Exportkunden USA um 11,4 Prozent auf 11,0 Milliarden Euro, während die Ausfuhren nach China um 8,5 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro zunahmen.

Den dritten Monat in Folge legten im Oktober die Importe zu, und zwar um unerwartet starke 5,0 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts schloss im Oktober 2021 die Außenhandelsbilanz mit einem Überschuss von 12,8 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2020 hatte der Saldo der Außenhandelsbilanz 19,7 Milliarden Euro betragen.

Corona bleibt immer noch ein Risiko

„Das Exportwachstum hat im Oktober von Schonkost auf Vollkost umgestellt“, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. „Nachholeffekte im Autosektor dürften hierzu maßgeblich beigetragen haben.“ Die Pandemie und die Lieferlogistik könnten dem Exportsektor aber jederzeit wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Große Erwartungen seien daher vorerst wenig wahrscheinlich, meint Krüger.

Der Direktor des IMK-Instituts, Sebastian Dullien, ist der Ansicht, dass der kräftige Anstieg der Importe und Exporte im Oktober die Chancen erhöhe, dass die deutsche Wirtschaft über die Jahreswende einer Mini-Rezession aufgrund der vierten Corona-Welle entgehen könne. „Dabei deuten die Außenhandelszahlen darauf hin, dass sich die Lieferkettenprobleme in der Industrie allmählich entspannen“, so Dullien.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet für dieses Jahr ein Wachstum der deutschen Ausfuhren von etwa 7,5 Prozent. 2022 soll es zu einem ähnlich starken Plus von 7,0 Prozent kommen. Im Corona-Jahr 2020 gab es einen unerwartet starken Rückgang.

Autorin: Sophie Pixis

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