Drosten: Drittimpfung für Großteil nicht notwendig

Die Debatte um die effizienteste Impfstrategie ist weiterhin im vollen Gange. Nicht nur hierzulande! In den USA etwa hat man bereits mit der Vergabe einer Drittimpfung begonnen. Der deutsche Virologe Christian Drosten hält eine Auffrischung zum jetzigen Zeitpunkt für überflüssig, verweist allerdings auf Ausnahmen.

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Risikopatienten und Ältere im Fokus

Grundsätzlich sieht Drosten eine Drittimpfung für sinnvoll – sofern sie sich auf Risikopatienten und Ältere beschränkt. Personen über 60 Jahren oder solche mit einem geschwächten Immunsystem sowie Vorerkrankungen könnten von einer Auffrischung profitieren, so Drosten. Insbesondere Krebspatienten, die eine Chemotherapie erhalten, oder Menschen mit Organtransplantationen stellen laut des Experten eine „geeignete“ Zielgruppe dar.

WHO rät von Drittimpfung ab

Die Idee, die hinter einer „Booster“-Impfung steht, klingt logisch: Der Körper wird abermals angeregt, Antikörper zu bilden und dürfte sich somit effizienter vor Coronaviren zu schützen wissen. Bisweilen ist diese Theorie allerdings nicht bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich sogar gegen eine Drittimpfung aus. Laut WHO sei der Nutzen einer dritten Dosis nicht nur nicht nachgewiesen, sondern führe überdies zu einer Schieflage bei der globalen Impfstrategie. In einigen Schwellen- und Entwicklungsländern wie zum Beispiel in Teilen Afrikas liege die Impfquote nicht selten im einstelligen Bereich. Das Impfen der dort lebenden Bevölkerung sollte eine höhere Priorität genießen als die der bestmöglichen, nicht bestätigten, Optimalprotektion reicher Länder.

Drittimpfung vereinzelt bereits Praxis

Fakt ist, dass bereits einige Länder Drittimpfungen vergeben. Nach den USA und Israel hat nun zum Beispiel auch Dänemark der Bevölkerung die Möglichkeit für eine dritte Injektion angeboten. Hier beschränkt man sich jedoch auf die von Drosten empfohlene Gruppe – also Ältere und Risikopatienten. In Deutschland finden Drittimpfungen ebenfalls statt: Die Mitarbeiter der Charité in Berlin beispielsweise dürfen sich diese Tage eine Auffrischung verabreichen lassen. Auf Freiwilligenbasis, versteht sich.

Quelle: Tagesschau.de

Autor: Jan Lauer

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