Einwanderer gründen weniger Firmen

Analyse zu den Corona-Folgen

Besonders stark, ist die Zahl der Geschäftsgründung durch Migranten und Migrantinnen im Corona-Jahr 2020 gesunken. Deren Anteil unter den Unternehmern lag erstmals seit 2009 niedriger als der Anteil an der Bevölkerung.

Doener-Kebap

Vor allem zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie verstärkt bei den Existenzgründungen von Migrantinnen und Migranten. Wie eine Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW zeigt, lag im letzten Jahr der Anteil von Gründern, die nicht gebürtig die deutsche Staatsangehörigkeit haben, zum ersten Mal seit 2009 wieder unter ihrem Anteil an der Erwerbsbevölkerung. Der veröffentlichte KfW-„Gründungsmonitor“ basiert auf einer repräsentativen Befragung von etwa 50.000 Bürgern. Diese Form von Umfrage findet jährlich seit 2002 statt.

Ungewöhnlicher Rückgang

Im Jahre 2020 sank demnach die Zahl der Gründungen durch Migrantinnen und Migranten auf 110.000 – die Vergleichszahl lag 2019 noch bei 160.000. In Deutschland sank der Anteil an der Gesamtzahl der Unternehmensgründung von 26 auf 21 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 ist die Zahl der Unternehmensgründungen insgesamt von 605.000 auf 537.000 geschrumpft. „Gründungen durch Migrantinnen und Migranten sind im Corona-Jahr überdurchschnittlich stark zurückgegangen“, erläutert KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Dennoch blieben Migranten auch nach der Pandemie ein „wichtiger Pfeiler der Gründungstätigkeit in Deutschland“.

Normalerweise sind Migranten gründungsfreudiger als der Durchschnitt der Erwerbsbevölkerung. Dies ist unter anderem so, weil bei ihnen der Wunsch nach Selbstständigkeit größer ist als beim Durchschnitt. Nach einer vergangenen KfW-Studie ziehen sie zu 38 Prozent die Selbstständigkeit einer abhängigen Arbeit vor, bei allen Bundesbürgern liegt der Anteil bei 29 Prozent. Die Mehrheit der Geschäftsgründungen liegt bei „persönlichen Dienstleistungen“, dabei vor allem in der Gastronomie – einer Branche, die unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie während der Einschränkungen besonders zu kämpfen hatten.

Notgründungen mangels Erwerbsalternativen

Dazu kommt noch, dass Migrantinnen und Migranten in Deutschland geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das zeigte im letzten Jahr auch der Anteil der „Notgründungen“, die der KfW-Gründungsmonitor für diese Bevölkerungsgruppe ausweist: Der Prozentsatz der Notgründungen mangels Erwerbsalternativen lag bei Einwanderern im Jahr 2020 bei 35 Prozent, das ist eine Steigerung um drei Prozentpunkte gegenüber 2019. Im Allgemeinen ging der Anteil der Notgründungen sogar von 23 auf 16 Prozent zurück.

Quelle: tagesschau.de

Autorin: Sophie Pixis

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