Für diese Aktien steht die Ampel auf Grün

Deutschland hat gewählt! Am 26. September wurde die „GroKo“ durch das Bündnis aus SPD, FDP und Grünen ersetzt. Die Bildung einer „Ampel“ ist noch nicht in trockenen Tüchern, gilt jedoch als überaus wahrscheinlich. Wir verraten, welche Aktien von den angestrebten Reformationen des Dreier-Bündnis profitieren sollten.

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Die Kernthemen stehen

12 Seiten fasst das Dokument, das die Beteiligten der Sondierungsgespräche Mitte Oktober stolz der Öffentlichkeit präsentierten. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP wollen eigenen Angaben zufolge eine „Fortschrittskoalition“ gebildet und die „Weichen für ein Jahrzehnt der sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen, digitalen und gesellschaftlichen Erneuerungen“ gestellt haben.

Besonders häufig betont werden die Themen Digitalisierung und Erneuerbare Energien. So wolle man etwa den Staat digitaler und die Verwaltung agiler machen. Die Gefahr durch Cyberattacken solle zudem neu evaluiert werden und Sicherheitsmaßnahmen gefördert werden. Dies sei auch für die Verknüpfung aus nachhaltiger Energiegewinnung und wettbewerbsfähiger Industrie geplant. Den Schlüssel hierzu sieht die Ampel im Ausbau von Wind- und Solarenergie in Verbindung mit modernen Gaskraftwerken.

Wind- und Solarenergie

Wind, Solar, Wasserstoff und sogar Gas: Umwelt- und Klimaschutz will man in Berlin großschreiben.

Weitere Ziele bereits ausgemacht

Ebenso will Rot-Gelb-Grün die Mobilitätswende beschleunigen – ohne dabei den Steuerzahler zu belasten! Insbesondere die Ladesäulen-Infrastruktur für E-Autos soll gefördert werden. Gut möglich, dass auf Initiative der Grünen hin auch Fördergelder für die nachhaltige Ressourcengewinnung wie zum Beispiel von Lithium (ein wichtiger Rohstoff für Batterien) angehoben werden. Im Rheinland beispielsweise schlummert Europas größtes Lithium-Vorkommen!

Des Weiteren soll das Gesundheitswesen gestärkt werden. Hier betonen die Partner, dass man „aus den Erkenntnissen der Pandemie lernen“ wolle. Konkrete Vorschläge liest man in dem Papier nicht, doch die Vermutungen liegen nahe, dass die Gehälter in der Pflege angehoben werden. Inwieweit der Bonus dann neues Personal in Krankenhäuser und Altenheime zieht und dieses den Notstand löst, ist wiederum fraglich. Schließlich betonen Betroffene, die die Auswirkungen des Kräftemangels zu stemmen haben, dass die Bezahlung nur von sekundärer Bedeutung sei!

Last but not least steht die Förderung von bezahlbarem Wohnraum auf der Agenda. Den Plänen des Erstentwurfs zufolge sollen 400.000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut und ein Viertel davon sogar öffentlich gefördert werden. Inwieweit dieser Wohnraum dann „nur“ für Geringverdiener oder auch für Empfänger der Grundsicherung alias ALG II zur Verfügung gestellt wird, steht noch nicht fest.

Das Siegertreppchen der Wahlgewinner

Platz 1: CompuGroup Medical (ISIN: DE000A288904)

Elektronische Patientenakten, Arztpraxen-Management-Systeme und nicht zuletzt QR-Impfzertifikate – bei all diesen digitalen Gesundheitslösungen mischt die CompuGroup Medical mit. Die Software-Schmiede aus Koblenz dürfte zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen und sowohl von den Subventionen im Gesundheitswesen als auch in der Digitalisierung profitieren. Mittlerweile konnte sich das 3,7 Milliarden Euro schwere Unternehmen zum Liebling von Ärzten und Zahnärzten heranmausern und sich nachhaltig als Schnittstelle zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen behaupten.

Für Anleger besonders erfreulich: Die Bewertung erscheint moderat, der Aufwärtstrend ist intakt und die Aktie hat seit ihrem Allzeithoch Mitte September bei rund 82 Euro einen kleinen Rücksetzer hingelegt. Angesichts des KGV von 37,8 ist die Aktie der CompuGroup Medical SE & Co. KGaA keinesfalls günstig, doch die Analysten sind positiv gestimmt: Kurzfristig sehen die Experten eine Renditechance von 15 Prozent. Wer das Papier länger hält, wird mit einer voraussichtlichen Dividende von 0,51 Euro belohnt.

Platz 2: Strabag (ISIN: AT000000STR1)

Die Aktie der österreichischen Strabag SE gilt als ein Urgestein der mitteleuropäischen Immobilienbranche und glänzte in den letzten Jahren zuverlässig mit Gewinnsteigerungen. Tätig ist das Bauunternehmen insbesondere auf dem Heimatmarkt, doch mit seinen Sparten aus dem Hoch- und Tiefbau, der Verkehrsinfrastruktur und dem Tunnelbau ist man ebenfalls stark in Deutschland, Polen, den Benelux Staaten, Skandinavien und sogar auf den Arabischen Halbinseln aktiv. Besonders interessant: Zu den baunahen Dienstleistungen von Strabag gehören Schienenarbeiten und die Ausgestaltung von Wind-Offshore-Anlagen.

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Nicht nur in Österreich stark positioniert: Die Strabag SE operiert europaweit und sollte von den Bauvorhaben der künftigen Regierung profitieren.

Die nächste Legislaturperiode könnte den Österreichern in mehrfacher Hinsicht steigende Aufträge beziehungsweise Umsätze bescheren. Sicher: Deutsche Konkurrenten wie die HochTief AG und die HeidelbergCement AG dürften nicht leer ausgehen. Doch angesichts des gravierenden Mangels an Wohnraum sollte auch für Strabag ein Stück vom Kuchen übrig bleiben. Konservative Anleger sind zudem selbst ohne Ampel-Effekt gut bei dem Baukonzern aufgehoben: Die Auftragsbücher der Österreicher sind prall gefüllt, der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2021 auf 6,5 Milliarden Euro und der Reingewinn auf 140 Millionen Euro – ein Plus von 211 Prozent.

Platz 3: Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0)

Seit ihrer Ausgliederung hat der Anteilsschein der Siemens Energy AG eine wahre Kurs-Achterbahnfahrt vollzogen. So erfreute sich die Aktie nach ihrer Abspaltung vom Mutterkonzern zunächst großer Beliebtheit und stieg auf über 22 Euro, fiel wenig später jedoch aufgrund von Abverkäufen eingesessener Siemens-Aktionäre auf knapp 18,5 Euro. Im Zuge des Clean-Energy-Trends Ende 2020 kletterte die Aktie dann in der Spitze auf 34,52 Euro! Prompt folgte die Korrektur. Nach einer Gewinnwarnung hat sich der Wert bei rund 24 Euro gefangen und befindet sich in den letzten Wochen wieder im Aufwind.

Apropos Aufwind: Siemens Energy ist Hauptaktionär der Siemens Gamesa AG, die wiederum stark im Bereich der Windkraftenergiegewinnung tätig ist. Der hochwahrscheinliche Ausbau von Windkraftanlagen sollte neue Aufträge mit sich bringen und der Siemens Energy Aktie auf die Sprünge helfen. Rückendeckung gibt es zudem aus dem Gasgeschäft, denn das Spin-off ist nebenbei im Gasturbinengeschäft engagiert. Nach einem schleppenden Start kann sich die Bilanzierung übrigens allmählich sehen lassen. Der Umsatz stieg im dritten Quartal 2021 auf 7,3 Milliarden Euro (Plus 8,8 Prozent) und die Barreserven sollen eine Dividendenrendite von rund 1,2 Prozent sicherstellen.

Investieren, Abwarten, Besparen?

Kommen wir zur Gretchenfrage: Lohnt sich für den aktiven Anleger derweil ein Investment? Die viel zitierte Jahresendrallye scheint bereits im vollen Gange. Aktien aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien beispielsweise haben sich von ihrem jüngsten Tief erholt und enorme Kurssteigerungen hinter sich. Dennoch existiert unserer Ansicht nach weiteres Aufwärtspotenzial, wobei an dieser Stelle betont sei, dass sich das Unternehmensblatt keineswegs als Investmentberater versteht!

Wer tatsächlich auf den „Ampel-Effekt“ setzen möchte, sollte Kriterien wie zum Beispiel die Chart-Technik außenvorlassen, denn mit der Vermeldung eines unterzeichneten Koalitionsvertrags würden die jeweiligen Aktien unverzüglich reagieren. Sofern es denn die Vorhaben in den Vertrag schaffen! Anleger, die sich im Market Timing versuchen wollen, dürften mit einer Watchlist besser beraten sein. Kursalarme und Limit-Orders könnten die Investmententscheidungen vereinfachen, denn der Herbst bringt erfahrungsgemäß einige stürmische Tage für DAX & Co. mit sich.

Sie möchten weder abwarten noch All In gehen? Wie wäre es mit einem Sparplan? Neobroker wie etwa Trade Republic haben Aktiensparpläne im Zwei-Wochen-Takt im Angebot. Auf diese Weise lassen sich größere Summen in sehr kurzen Intervallen investieren – ohne Ordergebühren zu bezahlen oder den perfekten Einstiegszeitpunkt suchen zu müssen.

Autor: Jan Lauer

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