Nach dem Bund-Länder-Gipfeltreffen herrscht Skeptik

Aktuelle Corona-Maßnahmen

Vor allem Ungeimpfte treffen die neuen bundesweiten Corona-Regeln. Führenden Virologen und Medizinern reicht das nicht. Es brauche mehr Testpflichten für Geimpfte und Genesene und zudem Kontaktbeschränkungen.

Die Beschlüsse, die gestern von Bund und Ländern beschlossen wurden, sollen vor allem den Druck auf Ungeimpfte erhöhen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Führenden Vertretern aus Wissenschaft und Medizin ist das jedoch nicht ausreichend. So sagte der Präsident der Intensivmedizinervereinigung Divi, Gernot Marx, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wir brauchen deutliche Kontaktbeschränkungen, aktuell tatsächlich am besten für alle.“

Man wisse über die neue Virusvariante Omikron noch nicht so viel. „Wir können nicht ausschließen, dass die Impfstoffe vermindert wirken“, sagte er. „Wegen dieses Nicht-Wissens ist zwingend notwendig, besonders vorsichtig zu sein.“

Der Virologe und Mitglied der Ständigen Impfkommission Klaus Überla äußerte sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland ähnlich wie Marx. „Es ist ein Fehler, Kontaktbeschränkungen für Geimpfte auszuschließen.“ Inzwischen träten fast die Hälfte der symptomatischen Infektionen bei Geimpften auf. „Die Geimpften spielen eine beträchtliche Rolle bei der Ausbreitung des Virus.“

In ganz Deutschland 2G plus statt 2G gefordert

Der Bundesärztekammer-Präsident Reinhardt möchte mehr Maßnahmen, um das Gesundheitswesen vor Überlastung zu schützen. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ forderte er, dass bundesweit in öffentlichen Innenräumen 2G plus gelten müsse – dann wären Genesene und Geimpfte verpflichtet, einen Corona-Test vorzuzeigen. Vor allem sollte die Einhaltung der Zutrittsvoraussetzungen streng kontrolliert und deren Missachtung verbindlich sanktioniert werden, mahnte Reinhardt.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen sagte, einige der Beschlüsse seien nicht leicht umzusetzen. „Es ist fraglich, wie die Kontaktbeschränkungen von Ungeimpften durchgesetzt und kontrolliert werden können.“ Er erwarte noch etwa drei bis vier Wochen einen Anstieg der Fälle in den Kliniken und auf den Intensivstationen. Auch die Inzidenz werde noch einige Zeit steigen. „Die Welle wird nicht so schnell aufhören.“

„Besser spät als nie“

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, begrüßte die Bund-Länder-Beschlüsse in der „Rheinischen Post“. Die Kontaktbeschränkungen vor allem für Ungeimpfte entsprächen dem Ernst der Lage und den Erwartungen der Krankenhäuser. Zudem hieß er auch die einrichtungsbezogene sowie die allgemeine Impfpflicht für gut.

Der Städte- und Gemeindebund hält die Beschlüsse ebenso für einen richtigen Ansatz. „Der Maßnahmenkatalog kommt spät, aber besser spät als gar nicht“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Rheinischen Post“. Skeptisch zeigte er sich hinsichtlich der 30 Millionen Impfungen bis Ende des Jahres. „Wir hören immer wieder, dass die Impfstoffe bei der Verteilung noch nicht so vorhanden sind, wie von den Ärzten gewünscht.“

Der Präsident des Deutschen Städtetags, Markus Lewe, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „In vielen Städten kommt derzeit jedoch nicht genügend Impfstoff an.“

Epidemiologe Zeeb rechnete: „Wenn wir weiter eine Million Menschen am Tag impfen, dann haben wir bis 24. Dezember erst rund 20 Millionen.“ Die Zahl der Impfungen müsse auf rund 1,5 Millionen pro Tag steigen, um 30 Millionen zu erreichen.

Autorin: Sophie Pixis

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