Nicht schon wieder! Curevac liefert … und enttäuscht

Lange gehörte Curevac zu den aussichtsreichsten Kandidaten im Corona-Impfstoff-Wettrennen. Bisherige Versuche an Ratten bescheinigten dem Wirkstoff hohes Potenzial, doch zuletzt gab es von den Tübingern nur noch Hiobsbotschaften zu hören. Am Mittwochabend dann der nächste Schock: 48 Prozent Wirksamkeit für CVnCoV!

Corona-Curevac-Impfstoff

Die Talfahrt Curevac: Wie alles begann

Die Aktie der Curevac N.V., ein biotechnologisches Unternehmen aus Tübingen, verzeichnete seit dem Börsengang an der NASDAQ (USA) eine fulminante Kursentwicklung: Wer zu den Glücklichen gehörte, die die Aktie zeichnen konnte, also bereits vor dem ersten Handelstag erwerben konnte, durfte in der Spitze eine Rendite von gut 800 Prozent einfahren. Gestartet war das Papier am 20. August 2020 für 16 Dollar und feierte im Dezember 2020 ihr All Time High bei knapp 130 Dollar.

Anfang Juni 2020 dann die Ernüchterung: Das Unternehmen gab bekannt, dass der Antrag auf eine Zulassung sowohl bei der amerikanischen als auch europäischen Arzneimittelbehörde FDA und EMA deutlich später als erwartet eingereicht werden soll. In einer Pressekonferenz der Gesundheitsminister machte ein eher beiläufiger Kommentar von Jens Spahn (CDU) aufmerksame Zuhörer hellhörig: Mit einer Zulassung für CVnCoV würde man nicht vor August rechnen. Das Unternehmensblatt berichtete. Der nächste Paukenschlag ereilte das Unternehmen – sowie Anleger – am Morgen des 17. Juni. Am Abend zuvor gab Curevac bekannt, dass das entwickelte Vakzin in einer finalen Testphase lediglich eine Wirksamkeit von 47 Prozent aufweise. Wenige Stunden später eröffnete die Aktie der Tübinger mit einem Minus von über 60 Prozent.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nichtsdestotrotz fand die Curevac Aktie Käufer, die entweder auf eine kurzzeitige kurstechnische Gegenreaktion oder auf eine „Nachjustierung“ des Wirkstoffes hofften. Denn mit einer Wirksamkeit von 47 Prozent verfehlte CVnCoV eindeutig die Zulassungskriterien der WHO. Kurz- und Langzeitinvestoren bescherten der Aktie erneut einen deutlichen Kurssprung von 32 Euro auf knapp 62 Euro – nach Adam Riese ein knapper Verdoppler.

Nun jedoch die – vermutlich endgültige – Hiobsbotschaft: Nach der Auswertung weiterer Teststudien erreichte der Impfstoff von Curevac eine durchschnittliche Wirksamkeit von 48 Prozent. Zum Vergleich: Der Wirkstoff von Biontech gewährt einen Schutz von bis zu 95 Prozent. Der CEO Franz Werner Haas betonte zwar, dass man weiterhin an eine Zulassung glaube, da der Wirkstoff in der Altersgruppe zwischen 18 und 60 überproportionale Ergebnisse offenbare. Der Großteil der Anleger dürfte dem Unternehmen seit dieser Bekanntgabe allerdings den Rücken zukehren. Analysten sind sich zumindest einig und stufen das Papier auf „Sell“ beziehungsweise „Hold“ ab. Nur das Investmenthaus Berenberg bleibt für die Aktie von Curevac weiterhin bullish.

Quelle: deraktionaer.de/artikel/pharma-biotech/

Autor: Jan Lauer

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