VW: Rekord-Zahlung. Kommen Winterkorn & Kollegen mit blauem Auge davon?

Der Automobilkonzern Volkswagen steht aufgrund seiner E-Auto-Offensive so gut da wie seit Langem nicht mehr. Nun ereilt den deutschen Global Player der Fluch der Vergangenheit und rüttelt am sauberen Image der Wolfsburger. Satte 228 Millionen Dollar soll die frühere Unternehmensspitze aufgrund ihrer „Verletzung aktienrechtlicher Sorgfaltspflichten“ zahlen.

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Nach jahrelangem Streit: Vergleich geglückt, Zahlung vereinbart

Dieselgate, Schummelsoftware, Abgasskandal … Solche und weitere Schlagwörter lasteten jahrelang auf dem Unternehmen VW. Bisweilen hatte der deutsche Autokonzern jedoch nur im Ausland die Konsequenzen für manipulierte Automobilmotoren zu tragen. Nun, knapp 7 Jahre nach dem Bekanntwerden eines unvorstellbaren Kundenbetrugs, werden auch hierzulande Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Der frühere Konzernchef Winterkorn muss, ebenso wie drei Top-Manager, eine Schadenersatzzahlung von insgesamt 228 Millionen an den Konzern zahlen. Die Taktik, Abgaswerte zu schönen, sei maßgeblich Entscheidung der Angeklagten gewesen.

Die Entscheidung, dass Winterkorn & Co. ihren ehemaligen Arbeitgeber finanziell entschädigen müssen, war bereits im März gefallen. Im damaligen Urteil wurde allerdings lediglich die Schuld der Ex-VW-Spitze festgestellt. Über die Höhe der Schadenersatzzahlung wurden alsdann außergerichtliche Verhandlungen geführt. Die nun vereinbarte Summe von 228 Millionen Euro mag zu den höchsten Schadenersatzzahlungen gehören, die Privatpersonen gezahlt haben. Doch der Teufel steckt im Detail …

 

Versicherungsallianz springt in die Bresche

Die rund 230 Millionen Euro werden lediglich zu einem Bruchteil aus den Taschen der Angeklagten finanziert: Letztendlich muss der ehemalige Vorstandsvorsitzende Winterkorn „nur“ 11,2 Millionen, der Ex-Audi-Chef und Ex-VW-Konzernvorstand Rupert Stadler 4,1 Millionen, der frühere Porsche-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Hatz 1,5 Millionen und der ehemalige Manager von Audi Stefan Knirsch 1 Million Euro zahlen.

Die Differenz von 210,2 Millionen Euro wird von einer Versicherungsgesellschaft übernommen, die für ebensolche Vorfälle vom VW-Konzern abgeschlossen wurde. Ungeachtet der Schätzungen, dass es sich bei den versicherungstechnisch abgedeckten Millionen um die „mit Abstand … höchste Summe, die ein solches Konsortium in Deutschland jemals auf den Tisch gelegt hat“, handeln soll, bleibt es eine Ermessensfrage, ob die jetzt ausgehandelte Summe als fair oder unfair zu bewerten ist. Schließlich wurden die Versicherungen auf Initiative der einstigen VW-Führung abgeschlossen. Inwieweit der früheren VW-Spitze auch rechtliche Konsequenzen tragen muss, bleibt ungewiss: Die Staatsanwaltschaft Berlin hat bereits Anklage erhoben. Der Prozess dürfte allerdings Jahre in Anspruch nehmen.

Quelle: Tagesschau.de

Autor: Jan Lauer

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