Weshalb es beim Neun-Euro-Ticket Probleme gibt

Unklare Finanzierung

Drei Monate lang sollen ab Juni Bürgerinnen und Bürger für wenig Geld Bahn und Bus nutzen können – heute berät das Kabinett über das geplante Neun-Euro-Ticket. Einiges ist aber noch unklar, insbesondere die Finanzierung.

Rotzug der Deutschen Bahn

Unbegrenzt im Monat die Bahn und den Bus in Anspruch nehmen, im Nah- und im Regionalverkehr – und das Ganze nur für neun Euro: Was bis zum heutigen Tage unvorstellbar war, soll dieses Jahr bundesweit Wirklichkeit werden: das Neun-Euro-Ticket, soll bis Anfang Juni bis Ende August angeboten werden.

„Ich finde, das ist ein tolles Angebot“, sagt Bundesverkehrsminister Volker Wissing von der FDP. Die Begeisterung für das Neun-Euro-Ticket hält sich jedoch in einigen Bundesländern in Grenzen.

Auch bei Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer, aktuell Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder, ist dies der Fall: „Es hat uns alle ja doch ziemlich überrascht, dass das Neun-Euro-Ticket kommen soll, über Nacht sozusagen auf Bundesebene beschlossen. Das ist schon eine Herausforderung.“

Insbesondere eine finanzielle: Etwa 2,5 Milliarden Euro werden die Verkehrsfirmen durch das Neun-Euro-Ticket an Gewinn verlieren – diese Vergünstigungen sollen nicht nur für Pkw-Fahrer gelten, die momentan wegen der hohen Spritpreise umsteigen wollen, sondern auch für Kunden, die schon ein Abo für Bahn und Bus haben. Wer also für sein Abo im Monat 60€ bis jetzt zahlte, bekommt im Sommer dann pro Aktionsmonat unaufgefordert 51 Euro zurück.

Die Kosten von etwa 2,5 Milliarden Euro möchte der Bund zwar übernehmen – aber den Ländern ist dies nicht ausreichend. Schriftlich verlangen die Länder die Zusage, dass der Bund im Notfall Geld nachschießt – bis jetzt ist der Bundesverkehrsminister hierfür aber nicht bereit: „Die Länder nehmen ja neun Euro pro Ticket ein, die müssen sie nicht abgeben, sondern dürfen sie behalten, sodass die vollen Kosten erstattet werden“.

Pandemie hat ÖPNV geschadet

Bei diesem Streit zwischen Bund und Ländern geht es schon lange nicht nur um das Neun-Euro-Ticket, sondern um den Erhalt des Öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland: Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Fahrgastzahlen weniger geworden sind, dazu kommen deutlich steigende Kosten für Personal und Energie.

Die Länder verlangen deswegen, über den schon vereinbarten Corona-Rettungsschirm hinaus, weitere 1,5 Milliarden Euro vom Bund – gegebenenfalls müssten Verkehrsfirmen ihr Angebot reduzieren, warnte bereits deren Bundesverband. Oder die Ticketpreise würden spätestens im Winter massiv angehoben werden.

ÖPNV sollte bezahlbar sein

Bremens Verkehrssenatorin Schaefer findet, dass das kontraproduktiv wäre: „Wir wollen den Menschen den ÖPNV schmackhaft machen und das geht nur, wenn wir die Tarife so halten, dass sie für die Menschen weiterhin bezahlbar sind.“

Das bundesweite Neun-Euro-Ticket soll dabei helfen: Sollte es aber ab Juni zu erwerben sein, müssen nächsten Monat Bundesrat und Bundestag, also auch die Länder, es akzeptieren.

Autorin: Sophie Pixis

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