Zweiwöchiger Lockdown in der Slowakei

Corona-Pandemie

In der Slowakei herrscht Ausnahmezustand durch die Pandemie: Die Kliniken sind komplett überfüllt, die Inzidenz-Zahlen steigen weiter. Die Präsidentin hielt eine Rede – und die Regierung reagiert.

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„Ich habe das Gefühl, ich lebe in einem Land, das ich nicht verstehe“, sagt  Zuzana Caputova nach dem Besuch in einem Krankenhaus in Bratislava. So aufgewühlt und frustriert dürften die Einwohner in der Slowakei ihre Präsidentin noch nicht erlebt haben. Weiter sagt sie:

”Ich weiß nicht, was man noch mehr sehen muss als überfüllte Krankenhäuser, Menschen, die an Beatmungsgeräten sterben, die nicht mehr nach Hause zurückkehren werden. Was muss man noch mehr sehen als das ermüdete Gesundheitspersonal?”

Präsidentin: Lockdown „unausweichlich“

Sie könne auch den Hass nicht nachvollziehen, der denjenigen entgegenschlage, die sich bemühten, Personen zu helfen. Und an die Adresse der Regierung ließ sie verlauten: „Die Experten sagen und das Konsilium empfiehlt eindeutig, die Mobilität einzuschränken. Dass wir einen Lockdown brauchen. Ja, es ist keine populäre Maßnahme, aber sie ist absolut unausweichlich.“

Die Vier-Parteien-Regierung konnte sich nach langen Beratungen bislang nur auf Einschränkungen für Ungeimpfte einigen, ohne jedoch deren Bewegungsfreiheit zu beeinflussen.

Die Slowakei steht dabei in der jetzigen Pandemie-Situation weltweit am schlechtesten da. Es wurden am Dienstag 10.300 positive PCR-Tests verzeichnet – wieder ein Rekordwert. Um die Relation deutlich zu machen: Das würde in Deutschland in etwa 150.000 Infektionen pro Tag entsprechen.

Krankenhäuser sind ausgelastet

Die Krankenhäuser in der Slowakei sind mit 3200 Covid-Patienten praktisch am Limit. Auf den Intensivstationen gibt es fast keinen Platz mehr. Tomas Sulik ist Chefarzt der Intensivmedizin im Krankenhaus von Trencin, einer Stadt in der Nähe der tschechischen Grenze. Er sieht die Slowakei am Rande einer humanitären Katastrophe. Bei ihm in der Klinik können bereits jetzt schon nicht mehr alle Patienten gut versorgt werden. Vorerst wählen wir nur Patienten, die schwer polymorbide sind und keine längere Lebenserwartung haben, an der Beatmungsmaschine. Wir sind am Rande der Triage“, sagt Sulik.

Zu wenig Personal

Auch der Personalmangel macht dem slowakischen Gesundheitswesen zu schaffen. Eine Folge der Frustration von Pflegepersonal und Ärzten nach den letzten Wellen, sagt Peter Vislolajsky, der Chef der Ärzte-Gewerkschaften. Die Regierung habe nicht reagiert, nichts getan um die Menschen zu halten: „Es fehlen uns heute über 1300 Krankenschwestern, die das Gesundheitssystem verlassen haben. Und Hunderte erfahrene Ärzte sind ebenfalls gegangen. Wir haben heute weniger Kapazitäten als während der Covid-Welle im letzten Winter“, sagt Visolajsky.

Beanstandung an Regierung

„Es muss klar gesagt werden, dass die slowakische Regierung für die aktuelle Situation die volle Verantwortung trägt“, erklärt Peter Pellegrini, Ex-Ministerpräsident und heute einer der Oppositionsführer. „Premier Eduard Heger hat in der Vorbereitung auf die dritte Welle genauso versagt, wie es ein Vorgänger bei der Vorbereitung auf die zweite Welle getan hat“, fügt er hinzu.

Nach einem weiteren Tag langer Beratungen findet der Appell von Präsidentin Caputova bei der Regierung am späten Mittwochnachmittag Gehör: In der Slowakei wird zunächst für 90 Tage um Mitternacht der Notstand verhängt. Und für die kommenden zwei Wochen gilt wieder ein Lockdown für alle Einwohner in der Slowakei. Nur die Schulen sollen weiterhin offen bleiben.

Quelle: tagesschau.de

Autorin: Sophie Pixis

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